
INSIDE Foaset: Schinke Schunke – Die Kreuz-Fastnacht damals und heute
„Schinke Schunke – Kreuz Halunke!“ Ein Ruf, der für so manchen Fuldaer mehr ist als ein Schlachtruf. Er weckt Erinnerungen an eine Zeit, in der die legendäre Kreuz-Fastnacht ein echtes Kontrastprogramm zu vielen anderen Fastnachtsveranstaltungen bot. Und für einige steckt hinter Schinke Schunke sogar ein ganzes Kapitel Jugend.
Aber wie kam es eigentlich dazu? Denn zunächst hatte das Kreuz-Team wenig mit der Fastnacht am Hut und konnte der fünften Jahreszeit auch nicht besonders viel abgewinnen. Bis man sich entschied, etwas ganz Eigenes daraus zu machen – und zwar bewusst gegen den Strich. Für INSIDE Foaset erinnern sich Kreuz-Geschäftsführer Wolfgang Wortmann und Mitarbeiter und Ex-Prinz Johannes Reis zurück.
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Regeln brechen und Rollen vertauschen
Vorbild dafür war die Kölner Stunksitzung, die sich als alternativer Karneval von den organisierten Prunksitzungen deutlich abgrenzte. Anfangs floppte die Idee. „Wir sind grandios gescheitert“, erzählt Geschäftsführer Wolfgang Wortmann. „Wir waren keine guten Büttenredner und das Publikum war gelangweilt.“ Was aber gut funktionierte: Die Playback-Shows, in denen sie berühmte Künstler nachahmten.
Und so kam es Anfang der Neunzigerjahre zur ersten richtigen Kreuz-Fremdensitzung mit allem, was dazugehört – nur eben ganz anders. Statt Elferrat gab es im Kreuz den Elfenrat – besetzt mit den Frauen aus dem Team. Die Tanzmariechen waren Männer. Rollenbilder wurden auf den Kopf gestellt, Hierarchien spielten keine Rolle. Typisch Kreuz eben. Und das kam auch beim Publikum an.
„Die Stimmung hier im Saal kann man nicht beschreiben – das musst du erlebt haben“, sagt Wortmann, der seit 1980 im Kreuz aktiv ist. Die Abende waren ausgelassen, voll, laut – und gleichzeitig sehr friedlich. Fremdensitzung, Weiberfastnacht und Rosenmontag sorgten damals für rund eine Woche Ausnahmezustand, sowohl beim Kreuz-Team als auch bei den Gästen.
Das Motto: Immer mit Haltung
Jede Kampagne hatte ein eigenes Motto – fast immer mit politischem oder gesellschaftlichem Bezug. „Keine Panik auf der Titanic“, „Schwarze Kassen – hoch die Tassen“ oder Anspielungen auf BSE, Klimawandel oder aktuelle Skandale: Die Kreuz-Fastnacht nahm sich nie zu ernst, aber bezog immer Stellung.
Diese Mischung aus Haltung, Humor und Party machte die Veranstaltungen einzigartig und zog nicht nur Publikum, sondern auch Garden, Aktive und schließlich sogar den Prinzen von Fulda an. Als die Fuldaer Karnevals-Gesellschaft erstmals mit Einmarsch im Kreuz auftauchte, war die Kreuz-Fastnacht endgültig Kult. Der eigene Schlachtruf: „Schinke Schunke – Kreuz Halunke!“
Vom Schinken zum Halunken
Der Ursprung des Namens ist übrigens nicht hundertprozentig belegt – aber irgendwie macht ihn genau das so passend. Die wahrscheinlichste Entstehungsgeschichte: Bei einer der ersten Kampagnen trug der damalige Faschingsprinz eine selbstgebastelte Kette aus einvakuumierten Schinken um den Hals. Daraus entwickelte sich zunächst der Ruf „Schinke Schunke“ – und von dort war es nicht mehr weit zu „Kreuz Halunke“. Spätestens als der Ruf beim Rosenmontagsumzug durch die Straßen der Stadt hallte und die Menschen zurückriefen, war klar: Der Schlachtruf gehörte plötzlich zur Fuldaer Foaset.
„Fastnacht hier musste echt sein“
Doch wie bei vielen Dingen, die von Leidenschaft leben, kam irgendwann der Punkt, an dem die Luft raus war. Der organisatorische Aufwand war enorm, die Motivation ließ nach. Niemand wollte mehr völlig verschwitzt Playback-Shows auf der Bühne spielen – und schon gar nicht etwas vorspielen, auf das man selbst keine Lust mehr hatte.
„Fastnacht hier musste echt sein“, sagt Wortmann. Als das nicht mehr der Fall war, ließ man sie lieber gehen. Die Kreuz-Fremdensitzung schlief langsam ein. Der Schlachtruf aber blieb – auf dem Rosenmontagszug, im Kopf vieler Fuldaer und bis heute im Kreuz-Team, zu dem auch Johannes Reis gehört. „Wir rufen ihn immer noch vor jeder Schicht“, erzählt der Veranstalter, der 2008 als Prinz Captain Joe selbst einmal die Kreuz-Fastnacht anführte und am Rosenmontag auf seinem Kanu durch die Straßen gezogen wurde.
Altes Gefühl, frischer Wind
Dass Schinke Schunke seit 2025 als „Schinke Schunke 2.0“ wieder da ist, ist sicherlich auch ein bisschen der Nostalgie an die alten Zeiten geschuldet. Der Impuls dazu kam aus der Fastnacht selbst – über den Kontakt zwischen dem Kreuz und engagierten Aktiven der FKG. Die Idee: den Namen, das Gefühl und den Ort zurückholen – aber nicht einfach kopieren, sondern zeitgemäß neu denken.
Heute steht Schinke Schunke 2.0 für eine moderne Fastnachtsparty mit vielen Tanzgarden, klarem Ablauf und mit dem Kreuz als Gastgeber. Zwar nicht mehr selbst organisiert vom Kreuz-Team, aber getragen von Menschen, die die alte Zeit erlebt haben – und frischen Wind mitbringen.
Und genau das passt: Das Kreuz war schon immer ein Ort, an dem Neues entstehen durfte, ohne den Grundgedanken zu verlieren. Und so ist das Kulturzentrum bis heute ein Ort, an dem man die Gemeinschaft feiert und alles andere für eine Zeit lang vergessen kann. Wenn die Wände des Saals sprechen könnten, hätten sie sicher so einiges zu erzählen. Aber wir wissen ja: wirklich verstehen kann man es nur, wenn man selbst mal dabei war.
Video: SCHINKE SCHUNKE 2.0 am 7. Februar 2026 im Kreuz
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Bildergalerie: Das war Schinke Schunke 2.0
Fotos: Memento36
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